Günther Fresh




 

 

Übrigens:

 

Eines Mittags riss mich ein hämmerndes Geräusch aus meinen Träumen. Ich rollte mich von dem kleinen Heuhaufen, der mir seit Jahren als Wasserbett-Ersatz treue Dienste leistete, und krabbelte schlaftrunken und orientierungslos im Zimmer umher. Plötzlich öffnete sich die Tür und zwei hagere junge Männer traten herein. Sie schwangen Stoffbeutel in kreisenden Bewegungen vor sich her und begannen einen vergnüglichen Tanz aufzuführen. In rhythmisch torkelnden Bewegungen kamen sie näher und frohlockten in einem harmonischen Kanon:

“Hipstertum und Rindsroulade – Freshness, Wurst und Limonade!”

 

Die enorme Tragweite dieser Worte war mir natürlich sofort bewusst und ich riss blitzschnell den Kühlschrank auf, um das Bratwurstgehäck herauszuholen. Doch es erklangen schmetternde Fanfaren und der Kühlschrank explodierte. Ich fiel vor Schreck rückwärts um und landete in einer grünen Sänfte, die von 7 uralten Damen in sehr aufreizenden Gewändern getragen wurde. Im Gleichschritt marschierten sie los und trugen mich auf die Straße hinaus. Das ganze Viertel war auf den Beinen. Alle jubelten mir zu und schrien anstößiges Zeug in verschiedenen Sprachen. Kinder hielten ihre Smartphones in die Höhe und ihre blechernen Klingeltöne beschallten die Straßen mit 90er-Jahre Gangsterrap. In einer riesigen Parade zogen wir Richtung Altstadt. Mittlerweile hatte ich mich wieder gefangen und war auf der Sänfte aufgestanden. Ich ließ mich von der aufrührerischen Stimmung mitreißen, streckte die Fäuste in den Himmel und schrie aus vollem Hals:

“Hipstertum und Rindsroulade – Freshness, Wurst und Limonade!”

 

Die Menschenmenge antwortete:

“Folklore Galore! Folklore Galore! Folklore Galore! Folklore Galore!

 

Ich verlor das Bewusstsein und schlief 76 Stunden. Als ich wieder zu mir kam war mir alles klar. Ich ging zu meiner Stammkneipe und riss meine beiden Kollegen Hartmut und Pjotr aus ihrer Lethargie. Wir gingen Pfandflaschen sammeln. Nach 2 Jahren hatten wir genug Geld zusammen, um eine 4-Farb-Siebdruckmaschine zu bauen.

Das erste T-Shirt druckte ich noch in der selben Nacht.